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Wer der Meinung ist, daß man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, daß er für Geld alles zu tun bereit ist.
Benjamin Franklin

“Volksverarsche” oder “Wie werde ich fanatisch?”

Geschrieben von Lukas | Abgelegt unter satirisches

Da mich die gemeine Ferienlangeweile wieder gepackt hat und ich sonst nichts zu tun habe, grabe ich ein etwas älteres Thema aus, welches mich in der letzten Woche beschäftigt hat.
Vorgestern vor einer Woche, also am Dienstag den 11. März, hatten wir im Bio-Unterricht Besuch von einer Aktivistengruppe, die von einer unserer Schülerinnen gebeten wurde uns im Unterricht zu besuchen. Erwähnenswert hierbei ist noch, dass wir gerade Sexualität, Schwangerschaft und das heikle Thema Abtreibung behandeln. Beim Stichwort Abtreibung müsste es bei einigen schon „Klick“ machen.
Wie dem auch sei, saßen wir erwartungsvoll in einem der Fachräume für Biologie und freuten uns auf eine weitere ‚interessante’ Stunde, als wir erfahren durften, dass uns zwei Damen von der „Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA) die ‚Gefahren’ von Abtreibung und Stammzellenforschung nahe bringen wollten. Eine dieser Damen ist Hausfrau, die von ihrem Mann bzw. von Gott mit sechs Kindern gesegnet wurde, die Andere ist Realschullehrerin, wahrscheinlich im Fach Religion, alles andere wäre untypisch. Wir saßen also da und durften uns zuerst einmal anhören welche Ziele die Organisation verfolgt. Einige dieser Ziele und Ansichten werde ich hier zitieren:

„Abtreibung: Wir glauben, dass Abtreibung in unserer Gesellschaft nicht verharmlost werden darf, da sie einem Dammbruch gegen das Lebensrecht jedes Menschen gleichkommt. Abtreibung begünstigt vielfältige Bedrohungen des menschlichen Lebens: verbrauchende Embryonenforschung, Forschung an nichteinwilligungsfähigen Patienten, Klonen und Euthanasie. Die ALfA bietet auf vielfältige Weise Schwangeren in Not konkrete Hilfe, um sich auch in schwierigen Situationen für ein “Ja” zum (ungeborenen) Kind und gegen einen Schwangerschaftsabbruch / eine Abtreibung zu entscheiden.“

Abgesehen von der Tatsache, dass ich diese Ansichten für ziemlich extrem halte und ich mich vor allem über den Stichpunkt Euthanasie sehr aufgeregt habe, da hier die Abtreibung mit einem furchtbaren Kapitel der deutschen Geschichte verglichen wird, bin ich generell der Meinung, dass jede Frau selbst bestimmen sollte ob sie abtreiben möchte oder nicht. Dabei sollte sie sich den Rat von einem professionellen Arzt holen und nicht von solchen Quacksalbern.
Im Verlauf des Vortrags bekamen wir kleine Gummi-Embryonen in die Hand gedrückt, die anscheinend Embryos in der neunten Schwangerschaftswoche darstellen sollten. Das Problem an der ganzen Geschichte war allerdings, dass diese Embryonen in einem viel höheren Entwicklungsstadium waren, das heißt sie hatten bereits Arme, Beine, Finger, Zehen und ein vollständig ausgebildetes Gesicht. Ich habe mich im Internet schlau gemacht und festgestellt, dass nach neun Wochen sowohl Hände bzw. Finger, als auch Beine bzw. Füße und Zehen noch nicht annähernd ausgebildet sind.
Mit diesen Figürchen und ein paar schockierenden Bildern, auf denen die blutige Hand eines Abtreibungsarztes und die Umrisse eines Abgetriebenen Embryos zu sehen waren, wurde versucht bei uns auf die Tränendrüse zu drücken und Emotionen aufzulösen. Bei den genannten Bildern war ich mir allerdings nicht einmal sicher, ob es nicht Fälschungen waren, da der Embryo sehr unecht aussah und es mir vorkam als stamme es aus einem drittklassigen Horrorfilm, so wie „Baby-ween 38“ oder „Das Schweigen der Ärzte“. Dieses Vorgehen würde ich spontan als “Volksverarsche” bezeichnen, aber vielleicht wäre das zu subjektiv.
Auf Kritik und Einwände gegen ihre Sache reagierten die zwei Rächerinnen der Abgetriebenen entweder gar nicht oder ihr Ton spitzte sich immer mehr zu und sie versuchten verzweifelt mit hanebüchenen Argumenten oder religiösen Sprüchen oder Gleichnissen ihren Worten Nachdruck zu verleihen. Auch das Argument bei einer Vergewaltigung könne man eine Abtreibung verantworten und vielleicht sogar gutheißen ließen sie nicht gelten und wichen aus indem sie behaupteten Vergewaltigung und vor allem Schwangerschaft durch Vergewaltigung käme nicht häufig genug vor und das sei ihnen zu realitätsfern. Das fand ich ziemlich schwach.
Ihr Schluss-Statement lässt sich ungefähr so zusammenfassen (Ich übertreibe in dieser Hinsicht nicht!): „Abtreibung ist schlimm, Stammzellenforschung ist schlimm (darauf gingen sie nicht all zu sehr ein) und Sex vor der Ehe ist schlimm. Anstatt sich so zu versündigen soll man lieber den ganzen Tag beten, früh heiraten, viele Kinder kriegen und natürlich nur dann Geschlechtsverkehr praktizieren, wenn man auch Kinder in die Welt setzen möchte.“

Das ist Fanatismus in seiner reinsten Form. In dieser Hinsicht kann man sogar den Papst noch als weltoffen und modern bezeichnen. Jedenfalls bin ich froh, dass ich Atheist und nicht abhängig nach dem „Opium fürs Volk“ bin.

Wie werde ich fanatisch? Die zehn Gebote:
1. Bete viel, denke wenig.
2. Wer deine Meinung nicht mag, ist ein Sünder.
3. Wenn der andere bessere Argumente hat, zitiere die Bibel.
4. Auch schlechte Argumente sind Argumente, vor allem wenn sie religiös sind.
5. Alles was Spaß macht, ist Sünde.
6. Wettere gegen alles, was in der Bibel nicht erlaubt ist.
7. Egal wie Recht der Andere hat, er kommt trotzdem in die Hölle.
8. Sei immer nett und freundlich, auch wenn der andere ein Sünder ist.
9. Wenn einen niemand ernst nimmt, kann man immer noch schleimen.
10. Heuchle Weltoffenheit, sei in Wirklichkeit aber prüde und spießig.

März 21st, 2008


2 Kommentare zu ““Volksverarsche” oder “Wie werde ich fanatisch?””

  1. Max Says:

    „Baby-ween 38“ oder „Das Schweigen der Ärzte“

    In dieser Hinsicht kann man sogar den Papst noch als weltoffen und modern bezeichnen

    Herrlich, um mal nicht göttlich zu sagen :)

  2. Tobias Says:

    hmm.. gut gelungen, auch wenn ich etwas korrigieren muss. Nach eigenen Aussagen zufolge handelte es sich hierbei NICHT um eine Religiöse Gruppierung, da sie sich als Überkonfessionel bezeichneten. Aufgrund dieser Aussage tendiere ich mehr von dem Katholisch/Evangelischen Aspekt der beiden Damen abzusehen und es auf eine Sektengleiche Organisation hindeutend zu sehn. Da in diesem Zusammenhang die genannte Schülerin ja auch nicht ganz unbeschrieben zu sein scheint. War da nicht was mit “Die Gemeinde” oder Pfingsbewegung? Dachte da mal was mitbekommen zu haben, wie ich auch von einigen unserer Mitschülerinnen gehört habe, die bereits zu einem Gottesdienst dieser Bewegung bewegt werden sollten von der Schülerin.

    Was du aber deutlich und richtig zeigst ist, dass es jedem selbst überlassen ist, ob er abtreiben will oder nicht.
    Wenn ich unerwartet Vater würde, wäre ich theoreisch glaube ich auch eher gegen eine Abtreibung, aber das ist meine Meinung. Die Meinung habe ich, und die muss auch niemand sonst haben.
    Man sollte nicht versuchen mit solchen Mitteln anderen eine Meinung aufzuzwingen.

    Zum schluss noch einen kleinen (sehr sarkastischen) Witz.

    Auch das Argument bei einer Vergewaltigung könne man eine Abtreibung verantworten und vielleicht sogar gutheißen ließen sie nicht gelten und wichen aus indem sie behaupteten Vergewaltigung und vor allem Schwangerschaft durch Vergewaltigung käme nicht häufig genug vor und das sei ihnen zu realitätsfern
    Diese Aussage kommentierte ich zu Konsti mit sinngemäß folgenden Worten:
    “Wozu nach einer Vergewaltigung abtreiben? Ist doch ein schönes Souvenir und eine tolle Erinnerung an den Abend deines Lebens.”
    Natürlich ist das nicht ernst gemeint und sollte daher mit sehr viel bewusstsein für Sarkasmus und Schwarzen Humor genossen werden.

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