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Mark Twain

Wenn der Kommerz die Oberhand gewinnt,…

Geschrieben von Lukas | Abgelegt unter satirisches

…dann tritt häufig eine besonders nervige Eigenschaft der Medien in den Fordergrund: Die Einfallslosigkeit.
Diese Einsicht kam mir beim anschauen einschlägiger Musiksender. Wenn man sich heutzutage in den Charts umschaut, wird einem relativ schnell einiges klar. Unter anderem müsste einem auffallen, dass die Musikindustrie offensichtlich seit einiger Zeit an einer Art Kreativitätsdefizit leidet, ja sogar schon dabei ist dem Hungertod in der Einfallswüste zu erliegen.
Entsprechend deutlich sind die Anzeichen. Wurde vor zwanzig Jahren noch fleißig selbst komponiert, geschrieben und veröffentlicht, so wird heute gesampelt, gecovert und gemixt was das Zeug hält. Warum selbst erfinden, wenn man so gut bei der Konkurrenz klauen kann und zur gleichen Zeit denselben Erfolg und denselben Umsatz erzielen kann?
Ich erinnere mich mit Grauen an den Sommer 2004, als mein Gehör und das vieler anderer Radiohörer wochenlang mit dem Hit einer moldawischen Boygroup gequält wurden. Doch nur ein Hit dieser Sorte war nicht genug und so wurde den unschuldigen Hörern zur selben Zeit derselbe Song von einem anderen Interpreten bzw. einer anderen Interpretin um die Ohren geschlagen.
Aber wer jetzt denkt, der Abstieg in die Untiefen des Musikbusiness sei geschafft, der irrt, denn noch immer gähnt die Schlucht vor mir und das nicht nur aus Langeweile, denn vor zwei Wochen traf mich die schiere Gier nach Geld und Vermarktung wie ein Schlag ins Gesicht.
Vor ungefähr zwei Monaten (oder vllt. auch mehr) kam ein Song eines deutschen DJ’s raus, den er zusammen mit einer weiblichen Interpretin aufnahm und in dem das Hinterteil eines oder mehrerer Männer in den höchsten Tönen gelobt wurde.
Mal abgesehen davon, dass ich noch nie ein Fan von plump-niveaulosen Anpreisungen à la „du hast den schönsten Pillermann“ war, gefiel mir vor allem die Tatsache nicht, dass ich nur wenige Wochen später über einen Song derselben ‚Künstler’ stolperte, der genau den selben Beat, ja sogar die selbe Melodie besaß wie der ‚Arschsong’ (Anders lässt er sich leider nicht beschreiben) nur ging es im neuen Machwerk um irgendwelche perversen Sexspiele, was vom Niveau her nicht besser ist als die Hymne auf das Hinterteil.
Dieselbe Masche beobachte ich seit her bei immer mehr Künstlern, was mich wirklich an dem Sinneszustand der Produzenten zweifeln lässt.

Wird den armen Sängerinnen und Sängern, denn nicht mehr zugetraut mehr als nur einen selbst erfundenen oder neu komponierten Song in ihrem Leben zu haben bzw. zu ‚performen’. Ist das zu schwer? Sind sie da überfordert? Eine Klärung dieser Ereignisse ist bislang leider ausgeblieben und so müssen wir uns wohl weiter fragen wo die Kreativität geblieben ist, die das Musikgeschäft zu dem gemacht hat was es ist.

Für mich ist jedenfalls klar, dass ich auf die Charts auch gut verzichten kann, da ich nur Musik höre, die ohnehin nicht in den Charts läuft. Denn obwohl es leider nicht immer offensichtlich ist, so gibt es dort draußen immer noch viele gute Bands, die nicht dem Kommerzwahn verfallen und sich treu geblieben sind und genau die sind meine Hoffnung.

März 27th, 2008


3 Kommentare zu “Wenn der Kommerz die Oberhand gewinnt,…”

  1. Max Says:

    so gibt es dort draußen immer noch viele gute Bands, die nicht dem Kommerzwahn verfallen und sich treu geblieben sind und genau die sind meine Hoffnung.

    Viele sind übertrieben. Es gibt nur sehr wenig Bands, die wirklich Musik machen, die sie nur machen, weil sie ihnen so und nicht anders gefällt.
    Was du - so glaube ich - meinst sind die Bands, die von Jeher diese Musikart spielen, jedoch bedeutet das nicht, dass diese nicht kommerziell wären. Sie richten sich in meinen Augen nur nicht an die Charthörer, sondern eher zu relativen Minderheiten - zumindest in Anbetracht der Anzahl derer, die unter die Kategorie Chartshörer fallen.
    Aber der Beitag ist gut geschrieben! Mein Lob :)

  2. Tobias Says:

    Eines meiner Lieblingsthemen. Kommerz in der Musik.
    Alle die hier Nicht-Charts, Non-Mainstream, Alternatives oder wie man es bezeichnen will, kann froh sein, dass “seine” Bands nicht in den Charts vertreten sind? Warum? Sobald sie in die Charts kämen wären sie ja nicht mehr Alternativ und voll Kommerz. Aber wieso beschweren wir uns dann über die Charts? Weil es den entsprächenden Artisten nur um Geld geht und sie sich an den Geschmack der allgemeinheit anpassen.

    Aber, was genau ist Kommerz? Ist eine Band kommerz wenn sie sagt, wir machen jetzt Black-Metal und haben damit nach 10 Jahren Erfolg? Oder ist es Kommerz wenn eine Band nach 10 Jahren unerfolgreichem Black-Metal sagt, jetzt machen wir Techno, vllt. klappt’s ja damit?

    Ich denke die Antwort ist deutlich. Aber was ist mit der Band die sich treu blieb und dennoch viel Geld bekommt?
    Natürlich will jeder Künstler Geld verdienen, aber für mich fängt Kommerz dort an, wo man sich für den Geschmack der Masse verändert um diesen besser zu treffen.

    Zur Unkreativität muss ich sagen, fällt mir das wenig auf, da ich nur abends entsprächende Sende begutachte, während Serien laufen. Andererseit finde ich aber, dass die Namen der In Charts vertretenen Lieder nicht unkreativ klingen, aber anhören möchte ich mir nun wirklich nicht alle. Aber so Songs wie “Der Kuschelsong” sind sicherlich sehr kreativ und werden nie gecovert. So was will man nicht nochmal hören

  3. M Says:

    Das meiste Geld wird nun mal durch Singles und Fan-Artikel gemacht. Und wer kauft schon noch Singles? Wenn ich was kaufe, dann das Album des Künstlers. Und dabei bleibt es dann auch - ich brauch’ keine Unterwäsche, auf welcher mir das Gesicht der Frontsängerin entgegenblickt.

    Die ganz jungen lassen sich am leichtesten beeinflussen - und mit daher kann man mit Ihnen leicht Geld machen. Es will doch auch keiner behaupten, dass je ein Künstler bei DSDS wirklich gute Musik gemacht hat?! Trotzdem haben sie massig Geld verdient. Eben weil die kleinen Teenies vernarrt in sie waren. ;)

    Also: Du bist Musikproduzent, willst massig Geld machen: Welchen Weg gehst Du, so ohne Moral?

    ;)

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